Das Adipositivity Fotoprojekt

Adipositivity

Die Fotografin und Feministin Substantia Jones ist übergewichtig (fett, wie sie selbst sagt) und findet das völlig in Ordnung. Ihr eigenes positives Selbstbild teilen freilich nicht alle dicken Menschen. Das möchte die Fotografin ändern und rief daher ein neues Projekt ins Leben: Das Adipositivity Project zielt darauf ab, die Selbstakzeptanz von Menschen zu fördern, deren Körper außerhalb der Norm liegt. Mit Adipositivity möchte Substantia Jones auch eine längst überfällige Debatte anregen: Sie möchte die Definition von Schönheit erweitern.

Das Problem sei, dass die meisten Dicken fast nie als sinnliche, schöne Menschen dargestellt werden, die begehrenswert sind und ein erfülltes (Liebes-)Leben haben. Als sexy werden heutzutage fast nur noch retuschierte Bilder von dünnen Models wahrgenommen, dabei ist das heutige Schönheitsideal noch keine 50 Jahre alt. In einer Welt, in der sexy gleich dünn sei und die Menschen einem kaum zu erreichenden Ideal hinterher hungerten, sei es nötig, die allgemein akzeptierte Definition von Schönheit im wahrsten Sinne des Wortes zu erweitern.

Das Adipositivity Projekt möchte daher zeigen, dass auch dicke Menschen attraktiv, sexy und begehrenswert sind. Darum fotografiert Substantia jedes Jahr rund um den Valentinstag dicke Menschen und ihre Partner.

Substantia berichtet, einige der Modelle hätten stolz vor der Kamera posiert, andere seien schüchtern oder gar widerwillig gewesen. Aber sie alle einte der Wunsch, die allgemein akzeptierten Standards von Schönheit zu verändern und zu erweitern.

Ein Teil Fett, ein Teil Feministin, ein Teil Fuck you

Die Frauen in den Fotos von Substantia Jones sind Lehrerinnen, Managerinnen, Künstlerinnen, Mütter, Schriftstellerinnen oder Sekretärinnen. Sie sind die Frauen, die sich normalerweise unter mehreren Schichten Kleidern verstecken, hinter deren Rücken gelacht oder gelästert wird, und auf die Werbung von Schlankheitskuren und -Pillen abzielt. Die meisten dieser Frauen wurden Opfer von “Body Shaming”, dem gezielten Heruntermachen ihres Körpers, was in einem Verlust von Selbstvertrauen resultiert. Ihnen möchte Substantia Jones eine Plattform bieten. Sie lichtet sie hüllenlos ab, nackt und unretuschiert, genau so wie sie sind. Und die Bilder die dabei entstehen, sind von einer ganz besonderen Schönheit. Jones zeigt die Frauen mit ihren Partnern oder Partnerinnen. Sie zeigt sie beim Küssen, beim Streicheln, bei Umarmungen, sie zeigt die verliebten Blicke ihrer Partner, die zärtlichen Gesten, und beweist so, dass Liebe keine Standards kennt.

Die erklärte Feministin Substantia Jones sieht ihr Projekt vor allem als Aktivismus für mehr Akzeptanz. Ganz klar ist Adipositivity ein feministisches Projekt, das vor allem die öffentliche Wahrnehmung von Schönheit revolutionieren soll, doch vor allem geht es ihr darum, den Frauen selbst ein Geschenk zu machen. Ihnen zu mehr Selbstbewusstsein und Akzeptanz des eigenen Körpers zu verhelfen ist Teil der Mission von Substantia Jones Adipositiviy Projekt. Und darum lautet ihr Wahlspruch auch: One part fat, one part feminism, one part fuck you – ein Teil Fett, ein Teil Feminismus, ein Teil Fuck you.

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